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Pflege


"Das Ziel in der Pflege ist die Selbstständigkeit oder größtmögliche Autonomie des Menschen mit einer Beeinträchtigung, die durch eine Erkrankung bedingt ist. Das heißt Hilfe zur Selbsthilfe, um die Patientin bzw. den Patienten nach der Rehabilitation eine Reintegration in seiner gewohnten Umgebung zu ermöglichen."

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Pflegemodell

Wir arbeiten nach dem Pflegemodell von Dorothea Orem. Als eines der wichtigsten Ziele in der Pflege wird somit bei uns angesehen:

Die Selbstpflegekompetenzen der Patientinnen bzw. der Patienten so zu erweitern oder wiederherzustellen, dass sie die im Rahmen der Erkrankung aufgetretenen Selbstpflegedefizite selbst (bzw. mit Hilfe der Angehörigen) kompensieren und die Selbstpflegeerfordernisse erfüllen können.

Menschen dabei helfen, ihren eigenen Selbstpflegebedarf sowie den Pflegebedarf der von ihnen abhängigen Personen zu erfüllen. (Fawcett, 1996, S. 280, Orems Selbstpflegemodell)

Orem sieht den Menschen als ein vollständiges, funktionstüchtiges Ganzes mit einer starken Eigenmotivation, für sich selbst zu sorgen.

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Leitsatz

Professionelle Pflege setzt nach Orem erst und nur dann ein, wenn die Ressourcen der Patientinnen bzw. Patienten nicht ausreichen, um die Selbstpflegedefizite zu kompensieren.

Ziel unserer Arbeit ist die bestmögliche Wiederherstellung der Eigenaktivität der Patientinnen bzw. Patienten in Bezug auf die 12 Aktivitäten des täglichen Lebens. Bei den Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL´s) handelt es sich um die Grundbedürfnisse, die im Alltag erfüllt werden.

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Pflegeprozess

Der Pflegeprozess dient als Grundlage pflegerischen Handelns und gliedert sich in 6 Schritte:

  • Pflegeanamnese: Informationssammlung – beginnt mit der ersten Begegnung und laufenden Kommunikation mit der Patientin bzw. dem Patienten
  • Pflegediagnose: Problemdefinition – wichtig ist es, die Ressourcen festzuhalten um diese zu erhalten und zu fördern
  • Festlegung der Pflegeziele: Gemeinsam mit der Patientin bzw. dem Patienten werden Ziele formuliert, die während des Aufenthalts erreicht werden sollen.
  • Planung der Pflegemaßnahmen: Pflegemaßnahmen – sind notwendig, um die Ziele zu erreichen und unter Berücksichtigung der Ressourcen.
  • Durchführung der Pflege
  • Evaluierung der Pflegemaßnahmen: Um die Effizienz der Maßnahmen zu überprüfen, erfolgt eine laufende Evaluation, ob die definierten Ziele erreicht werden können oder ob eine Änderung der Maßnahmen notwendig ist.

 

Pflege - Blutdruckmessung  

Pflege

 

Pflegevisite:

Zur Überprüfung des Pflegeprozesses wird die Pflegevisite durchgeführt. An dieser nehmen der jeweilige Gruppenleiter und die Stationsleitung teil. Die Pflegevisite ist ein fixer Termin im Tagesablauf ca. 1 Woche nach der Aufnahme.

Was wird besprochen:

  • Die Patientin bzw. der Patient soll Wünsche, Anliegen und Beschwerden äußern können.
  • aktuelle Problematik
  • Pflegeplanung
  • Pflege- und Patientenziele, Zielvorstellungen der Patientin bzw. des Patienten für den Rehabilitationsaufenthalt, Teilziele werden erarbeitet
  • weitere Versorgung nach der Rehabilitation
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Pflegekonzepte

Bobath 

Bobath


Das Bobathkonzept ist eines der besten, erfolgreichsten und anerkanntesten ganzheitliche Behandlungskonzept in der Schlaganfallrehabilitation. 

Ziele:

  • Verbesserung der hemiplegischen Seite in Koordination mit der weniger betroffenen Seite
  • Wiedererlernen verlorengegangener Bewegungsfähigkeit
  • Hemmung der Spastizität und der abnormen Haltungs- und Bewegungsmuster
  • Entwicklung der Körpersymmetrie und des Gefühls von Körpermitte
  • Verhinderung von Schmerzen und Kontrakturen
  • Erhöhen der Selbstständigkeit und Sicherheit in den Aktivitäten des täglichen Lebens

 
Kinästetik

Kranke, verletzte und pflegebedürftige Menschen müssen die Möglichkeit neuentdecken, wie sie ihr Gewicht gegenüber der Schwerkraft kontrollieren können.

Sie tun dies, indem sie neue Bewegungsmöglichkeiten entdecken, um die alltäglichen Aktivitäten durchzuführen. Je besser die neuen Möglichkeiten an ihren Zustand angepasst sind, umso einfacher können sie lernen.

Basale Stimulation:

Basale Stimulation bedeutet die Aktivierung der Wahrnehmungsbereiche und die Anregung primärer Körper- und Bewegungserfahrungen sowie Angebote zur Herausbildung einer individuellen non-verbalen Mitteilungsform (Kommunikation) bei Menschen, deren Eigenaktivität auf Grund ihrer mangelnden Bewegungsfähigkeit eingeschränkt und deren Fähigkeit zur Wahrnehmung und Kommunikation erheblich beeinträchtigt ist, z.B. bei schwerst mehrfachbeeinträchtigten Menschen, Schädel-Hirn-Traumatisierten, Menschen mit hemiplegischem, appalischem oder komatösem Syndrom.

Mit einfachsten Möglichkeiten wird dabei versucht, den Kontakt zu diesen Menschen aufzunehmen, um ihnen den Zugang zu ihrer Umgebung und zu ihren Mitmenschen zu ermöglichen und Lebensqualität zu erleben. 

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Pflegesystem

An der Schlaganfallabteilung des Therapiezentrums Buchenberg wird das Pflegesystem der Gruppenpflege, im Sinne einer ganzheitlichen Pflege, angestrebt und durchgeführt.

Die Ziele dieses Pflegesystems sind

  • Schaffung von klaren Zuständigkeiten
  • Koordination der Pflegearbeiten, ruhige Arbeitsabläufe
  • Individuelle, kontinuierliche Pflege, der Rehabilitationsverlauf kann besser beobachtet werden
  • Möglichkeit eines Beziehungsaufbaues zwischen Pflegekräften und Patientinnen bzw. Patienten
  • Hohe Qualifikation, Selbstständigkeit und Arbeitszufriedenheit des Pflegeteams
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Angehörigenschulung

Angehörigenschulung – Heimabklärung

Neben den verschiedenen Berufsgruppen im multiprofessionellen Team spielt der Angehörige der Patientin bzw. des Patienten eine wichtige Rolle als Bindeglied zur Gesellschaft und zum Leben in seiner gewohnten Umgebung.

Unter Angehörigeneinschulung versteht man die Einschulung des Angehörigen (selten einer anderen Person), die die Versorgung der pflegeabhängigen Patientin bzw. des pflegeabhängigen Patienten übernehmen wird. Es ist von größter Wichtigkeit, sie nach Möglichkeit von Beginn an mit Informationen und Aufklärung zu unterstützen und in die Pflege miteinzubeziehen.

Zentrale Koordinationsstelle bzw. erste Anlaufstelle für den Angehörigen ist - neben den Ärztinnen und Ärzten - das Pflegepersonal. Bei der Angehörigeneinschulung ist das gesamte Rehabilitationsteam beteiligt.

Das oberste Ziel von Seiten der Pflege besteht darin, die weiterbetreuenden Personen in die pflegerischen Tätigkeiten so einzuschulen, dass eine umfassende Betreuung nach der Entlassung gewährleistet ist. Diese Art der Einschulung ist auch deswegen notwendig, damit die Patientin bzw. der Patient sobald wie möglich ein Wochenende zu Hause verbringen kann, falls dies im Rahmen einer therapeutischen Freistellung sinnvoll erscheint.

Was umfasst die Einschulung?

  • Grundpflege: Duschen, Baden, Hautpflege, Selbsthilfetraining, Anziehen, Essen
  • Lagerung: individuelle Lagerungstechnik (Bobath-Konzept)
  • Transfer: individuell auf die Patientin bzw. den Patienten und häusliche Gegebenheiten abgestimmt
  • Toilette: Blasenentleerung, Versorgung von suprapubischen Dauerkatheter, Anwendung von Inkontinenzbehelfen, Info über Toiletten- bzw. Blasentraining
  • Verbandtechniken: Verbinden der suprapubischen Fistel, PEG-Sonde
  • Prophylaktische Maßnahmen: Dekubitus-, Pneumonie-, Thrombose- und Kontrakturprophylaxe
  • Umgang mit Hilfsmitteln: z.B. Rollstuhl, Badewannenbrett
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Multiprofessionelle Kommunikation

Neurorehabilitation muss als Prozess gesehen werden, dessen Qualität nicht nur durch die Summe der einzelnen Therapieeinheiten, sondern vielmehr durch die Vernetzung aller ärztlichen, pflegerischen und therapeutischen Maßnahmen zu einem übergeordneten Ganzen mit gemeinsamen Zielen aller Berufsgruppen bestimmt wird.

Im Mittelpunkt des Rehabilitationsprozesses steht die Patientin bzw. der Patient, die bzw. der individuell entsprechend Ihrer bzw. seiner Kompetenzen, Ressourcen und Defizite gefördert werden soll. Die Änderung von Aufgabenstellungen im Laufe des Krankheits- bzw. Rehabilitationsprozesses sind zu berücksichtigen.

Da an der Schlaganfallabteilung nach den Grundzügen des Bobath-Konzepts gearbeitet wird, ist hiermit ein 24-Stundenkonzept gegeben.

Wie schon erwähnt, bedarf es zur Erfolgsmaximierung einer intensiven Zusammenarbeit und - schlussfolgernd - Kommunikation des gesamten mulitprofessionellen Teams. Denn nur ein "harmonisches Ineinander-Arbeiten der verschiedenen Berufsgruppen" ermöglicht letztlich jene Behandlung und Betreuung, die den größtmöglichen Rehabilitationserfolg gewährleistet.