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12 Aktivitäten des täglichen Lebens


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Aktivitäten des Täglichen Lebens (ATL´s)

"Leben drückt sich in Aktivität aus".

Bei den ATL´s handelt es sich um Grundbedürfnisse, die im Alltag erfüllt werden wollen. Deshalb stellen die ATL´s ein Pflegekonzept für den Umgang mit den Elementen der Gesundheitsbildung und der Pflege dar. Sie ermöglichen eine systematische Übersicht über einzelne Bereiche gesunder Lebensführung und können somit als Grundlage für die Theorie und Praxis der Pflege genutzt werden.

Es werden 12 ATL´s definiert, wobei diese stets als zusammenhängendes Netzwerk gesehen werden sollten, da sich diese untereinander beeinflussen. Eine bestmögliche professionelle Pflege kann nur durch die individuelle Anpassung dieser Grundlagen an den jeweiligen Patienten erreicht werden. (vgl. Liliane Juchli: "Pflege - Praxis und Theorie der Gesundheits- und Krankenpflege", Georg Thieme Verlag Stuttgart New York)

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Wach sein und Schlafen

Wach sein heißt auch Bewusstsein. 

Bei neurologischen Erkrankungen ist oft auch das Bewusstsein, in Form von zeitlicher, örtlicher und/oder persönlicher Orientierung beeinträchtigt. Ebenfalls häufig, v.a. bei älteren Menschen, ist eine Verschiebung des Tag/Nachtrhythmus festzustellen. Diese Tatsachen erfordern eine individuelle Anpassung des Stationsalltages auf den Tag/Nachtrhythmus. Intensive Zuwendung, Gespräche und Orientierungshilfen können hier sehr hilfreich sein.

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Sich bewegen

Diese ATL ist bei Patienten mit neurologischen Erkrankungen sehr häufig, teils schwer, beeinträchtigt (z.B. Schlaganfall). Das Unvermögen, diese Aktivität ausreichend durchzuführen, wirkt sich auf viele andere ATL´s bzw. die Lebensqualität des Patienten aus. 

Es ist deshalb auch vom Patienten das meistgenannte Ziel in der Rehabilitation ("wieder gehen können"). Zu diesem Punkt gehört nicht nur das Gehen, sondern auch der Lagewechsel im Bett, vom Liegen ins Sitzen kommen, Transfer in den Rollstuhl, vom Sitzen ins Stehen kommen, Rollstuhlmobilität usw., die zuvor als kleinere Teilziele erreicht werden müssen. Ebenfalls wichtig ist, dass der Patient mit der Mobilitätseinschränkung umzugehen lernt (Lernen mit Hilfsmitteln umzugehen).

Aufstehen 1

Aufstehen 2

Aufstehen 3

Aufstehen 4

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Sich waschen und kleiden

Sich selbst waschen und kleiden, für sich selbst (und seinen Körper) zu "sorgen", ist für den Gesunden selbstverständlich, doch sind viele Voraussetzungen nötig, um dies zu bewerkstelligen, sowohl physisch (z.B. Mobilität) als auch psychisch und geistig (z.B. Planung und Durchführung von Abläufen, Erkennen von Situationen/Gegenständen). 

Hier gilt der Grundsatz: "Hilfe zur Selbsthilfe, damit der Patient größtmögliche Selbständigkeit erreichen kann. Deshalb kann die Körperpflege bei vielen Patienten schon als Teil der Therapie genutzt werden. Einschulung von Angehörigen bzw. Unterstützung bei der Organisation ambulanter Pflegedienste sind weitere wichtige Punkte, um die Versorgung zu Hause zu gewährleisten.

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Essen und trinken

Da manche Schlaganfallpatienten ein großes Problem mit der selbständigen Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme haben (v.a. Schluckstörungen, Unvermögen, sich Getränke selbst herzurichten, reduziertes Durstgefühl), wird darauf geachtet, dass der Patient genügend Nährstoffe und Flüssigkeit erhält. 

Dabei werden selbstverständlich Ressourcen und individuelle Wünsche des Patienten berücksichtigt. Aber die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme übersteigt die reinen biologischen Aspekte. Sie dienen nicht nur zur Aufrechterhaltung wichtiger körperlicher Funktionen, sondern haben auch einen wichtigen gesellschaftlichen Hintergrund. Deshalb gibt es im Therapiezentrum Buchenberg einen eigenen, gemeinschaftlichen Speisesaal für die Schlaganfallstation, um gesellschaftliche Kontakte und das Wohlbefinden zu steigern.

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Ausscheiden

Die Ausscheidungsfunktionen sind in erster Linie an intakte Organe gebunden, sie können aber sekundär von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden (z.B. Bewegung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, ausreichend Ballaststoffe etc). 

In diesen Bereich fallen nicht nur die Obstipation, sondern auch Harnverhalten und Inkontinenz. In der Pflege geht es darum, die organischen Funktionen zu fördern, zu ersetzen etc. und den Patienten bei der Akzeptanz des Problems zu helfen. Aber auch die Intimsphäre und die Würde des Patienten sind zu wahren, denn es ist in diesem Bereich oft sehr schwer, Hilfe von anderen in Anspruch zu nehmen.

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Körpertemperatur regulieren

Hierunter versteht man nicht nur die Körpertemperatur als messbare Größe, sondern auch äußere und innere Wärme-Kältefaktoren. 

Äußere Faktoren sind Raumtemperatur, Wassertemperatur etc. Die Inneren Faktoren können durch Empfindungen/Emotionen beeinflusst werden, z.B.: die "Nähe" zu einzelnen Personen, Geborgenheit und Gefühl der Sicherheit etc.

Intensive menschliche Zuwendung ist notwendig, um die Angst zu lindern.

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Atmen

Atmung ist Leben! 

Die Atmung ist physiologisch überaus komplex und zusammen mit der Herz-Kreislauftätigkeit eine übergeordnete Vitalkraft und ein wesentlicher Bestandteil des physiologischen Gleichgewichts. Die schwerste Störungsform ist die Atemnot - sie ist immer von existentieller Angst begleitet.

Neben atemunterstützenden Maßnahmen (Lagerung, Sauerstoffzufuhr, Medikamente) ist deshalb die intensive menschliche Zuwendung notwendig, um die Angst zu lindern.

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Für Sicherheit sorgen

Das Sicherheitsbedürfnis von Menschen ist sehr ausgeprägt und kann gleich nach den physiologischen Bedürfnissen folgen.

Zu den Sicherheitsbedürfnissen zählen nicht nur körperliche Sicherheit (Unfallverhütung), sondern auch soziale und finanzielle Sicherheit. Der kranke Mensch kann unter Umständen in der persönlichen Sorge um Sicherheit eingeschränkt sein. Die Ursachen dafür sind sehr vielseitig und reichen von Bewusstseinsstörungen (Neglect, Hemianopsie) bis hin zu fehlender Krankheitseinsicht (bzw. der Fähigkeit, Defizite zu erkennen).

Das Ziel in der Pflege ist es, Sicherheit zu geben, weitere Schäden zu vermeiden und mit dem Patienten neue Lebens- und Verhaltensmöglichkeiten einzuüben.

Gangschulung

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Raum und Zeit gestalten/sich beschäftigen


Das Umgehen mit der Zeit, wie auch die Gestaltung des Raumes sind wesentliche Bestandteile menschlichen Lebens.

Fördernde Pflege ist hier in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe und zum Schaffen eines Klimas, in dem Erlebnis- und Lebensqualität sich entwickeln können und erhalten bleiben. Je mehr die Pflegepersonen über Anpassungs- und Bewältigungsformen wissen (Desinteresse, fehlende Motivation etc.), desto besser kann die Wiederherstellung und Wiederzurückführung ins „gesunde“ Leben angebahnt werden.

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Kommunizieren


Die Quelle der Sprache ist der Geist.

Die Sprache/Kommunikation steht deshalb in enger Wechselwirkung nicht nur zu den Sinnesorganen, sondern auch zum Bewusstsein des Menschen. Zusammen bewirken sie das Wahrnehmen. Die unkontrollierte Ausdrucksweise sprachbeeinträchtigter Menschen (Aphasie) wird von vielen als befremdlich empfunden.

Es ist notwendig, andere Formen der Kommunikation zu finden (z.B. mit Kopfnicken oder Hilfsmitteln). Hier ist uns auch das Wahrnehmen der Körpersprache eine Hilfe.

Kommunizieren




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Sich als Mann/Frau fühlen

Der kranke Mensch benötigt in erster Linie ein Klima, in dem Frausein/Mannsein eine selbstverständliche Akzeptanz erfährt, wo Probleme nicht unausgesprochen bleiben (Sexualität nach der Krankheit/nach dem Schlaganfall?) und Geschlechtlichkeit kein Tabu ist bzw. wo behutsam den Tabus Rechnung getragen wird.

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Sinn finden

Oftmals hat der Patient ein tiefes Gefühl der Sinnlosigkeit und Akzeptanzschwierigkeiten. 

Es bedarf massiver Hilfestellung im psychischen Bereich, damit der Patient lernt, seine Krankheit/Behinderung zu akzeptieren und in sein Leben zu integrieren. Oftmals wird dem Patienten erst während des Rehabilitationsaufenthaltes die gesamte Tragweite seiner Defizite bewusst. Ebenso schwierig ist die Schaffung einer (realistischen) Perspektive, um den Patienten motivieren zu können.